Tobias Felner verantwortet seit neun Jahren die Finanzen eines Maschinenbauunternehmens mit rund 280 Mitarbeitern. Er beschreibt, welche Kennzahlen im Alltag tatsächlich Entscheidungen beeinflussen.
Welche Kennzahlen nutzen Sie täglich?
Den Working-Capital-Zyklus und die Debitorenlaufzeit. Wenn Kunden später zahlen, aber Lieferanten pünktlich bezahlt werden müssen, entsteht ein Liquiditätsproblem, das keine Gewinnzahl zeigt.
Außerdem den Deckungsbeitrag pro Produktlinie. Nicht jedes umsatzstarke Produkt trägt zur Marge bei.
Wann reichen Standardkennzahlen nicht aus?
Bei Investitionsentscheidungen. Der Return on Investment allein sagt nicht, ob eine Investition zum Cashflow-Profil des Unternehmens passt. Ich rechne immer zusätzlich den internen Zinsfuß durch und vergleiche ihn mit unseren Kapitalkosten.
Tobias Felner: Eine Kennzahl beantwortet eine Frage. Welche Frage das ist, muss man vorher wissen.
Was unterscheidet gute von schlechter Finanzanalyse?
Die Fähigkeit, Zahlen in operative Entscheidungen zu übersetzen. Viele Analysen enden mit einer Tabelle. Die eigentliche Arbeit beginnt danach.
Wer nur Kennzahlen berechnet, ohne die Geschäftsprozesse dahinter zu kennen, zieht falsche Schlüsse.
Wichtiger Hinweis
Finanzanalysen liefern Orientierung, keine Gewissheit. Jede Kennzahl sollte im Kontext des Gesamtunternehmens und der Branche bewertet werden — isolierte Werte führen zu Fehlschlüssen.
Drei Analyseansätze im Vergleich
Bewertet Unternehmen anhand von Bilanzkennzahlen, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Cashflow über mindestens 3 Geschäftsjahre.
Verbindet Fundamental- und Branchenanalyse. Kennzahlen werden gegen Sektormediane geprüft — aussagekräftiger als isolierte Werte.
Fokus auf 4–6 Kernkennzahlen für eine erste Einschätzung. Sinnvoll als Einstieg, ersetzt keine vollständige Analyse.